Veranstaltungsrückblick

Grüner Masterplan für Friedrichshafen?

Stadtforum-Vortrag über Stadtgrün stößt Diskussion an

Der Vortrag „Grün vernetzt ! – Stadtgrün als Beitrag zu Identität und Lebensqualität“ fesselte am Donnerstagabend seine Zuhörer im Graf-Zeppelin Haus. Die Gäste aus Politik und Stadtverwaltung diskutierten anschließend lebhaft mit Bürgern und Mitgliedern des Stadtforums über Friedrichshafens Grünflächen.

Das Stadtforum Friedrichshafen gewann den freien Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Helmut Hornstein, aus Überlingen als Referenten und lud alle Interessierten zu dem Vortrag der Reihe „Stadtforum schafft Wissen“ ein. Sascha Schmidt (ZU), stellvertretender Vorsitzender des Stadtforums Friedrichshafen, begrüßte die 25 Anwesenden herzlich. Fritz Hack, Vorstandsmitglied des Stadtforums stellte Helmut Hornstein vor. Seit 25 Jahren führt der gelernte Gartenbauer und Landschaftsarchitekt sein Büro in Überlingen, war aktiv als Lehrbeauftragter, sowie in Gemeinderat und Kreistag und ist aktuell unter anderem Mitglied im Preisgremium des städtebaulichen Ideenwettbewerbes um den Häfler Uferpark.

Von der Geschichte des Stadtgrüns über dessen Funktionen bis hin zu neusten Trends und anschaulichen Beispielen gab Hornstein in einer Stunde einen hochspannenden Überblick über das Thema. Zum Stadtgrün gehören nicht nur Parkanlagen, städtische Wälder oder landwirtschaftlich Nutzflächen, auch Friedhöfe, Kleingärten und private Gärten, Sport- und Spielplätze, Grünflächen in Siedlungen oder Straßenbäume gehören zu der grünen Infrastruktur einer Stadt, die wichtige ökologische, soziale und wirtschaftliche Funktionen erfüllt. Stadtgrün bietet den Bürgern Orte der Naherholung, Naturerfahrung und Begegnung, schafft Lebensraum für verschiedenste Pflanzen und Tiere und trägt zum gesunden Stadtklima bei. „Nicht umsonst sind Immobilien mit Blick ins Grüne heiß begehrt und grüne Städte lebenswerter als Graue“, so Hornstein.

Globale Trends wie Urbanisierung und Klimawandel rücken die Nutzung der knappen Freiflächen in den Städten weiter in den Fokus.

Städte, die das Thema Stadtgrün strategisch und langfristig angehen und beispielsweise durch Vernetzung zusammenhängende Grünräume schaffen, profitierten besonders von den vielfältigen, positiven Effekten. Der grüne Gürtel um Frankfurt am Main wird seit 1930 entwickelt und bietet heute schnell erreichbare Naherholung für alle Bürger. Als Paradebeispiel für grünes Stadtmarketing weist das „Grüngürteltier“ auch Touristen den Weg in die vielfältige Stadtlandschaft.

Spannende Trends sind auch die Begrünung und Umnutzung ehemaliger Industriegelände, wie in Duisburg Nord. Auf dem Gelände eines stillgelegten Hüttenwerkes bereichert heute auf 180 Hektar ein einmaliger Landschaftspark mit Natur, Freizeit, Sport und Kultur das Stadtleben. Auch improvisierte Gärten erfreuen sich mitten in den Städten zunehmender Beliebtheit. Bei diesem „urban gardening“ steht vor allem das Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt. Die Beteiligung der Bürger, so Hornstein, werde als informeller Weg zur grünen Stadtgestaltung immer wichtiger.  

Fritz Hack dankte Helmut Hornstein anschließend für den kompakten und kurzweiligen Vortrag und sprach sich zur Eröffnung der Diskussion für einen „Grünen Masterplan“ aus: „Eine Vernetzung der Grünflächen wäre in Friedrichshafen auch möglich, so ein Großkonzept muss man angehen!“. Der Leiter der Abteilung Umwelt und Naturschutz der Stadt Friedrichshafen, Dr. Tillmann Stottele, pflichtete dieser Forderung bei: „Zur Sicherung von grünen Korridoren und zum Uferweg liegen bereits Konzepte vor. Ihre Weiterentwicklung und zügige Umsetzung wäre ein großer Gewinn für die Stadt und ihre Bürger“. Er dankte dem Stadtforum für die Einladung und machte auf eine Fachtagung zum gleichen Thema aufmerksam. Am 8. November treffen sich Experten aus dem gesamten Bundesgebiet im Graf-Zeppelin-Haus und sprechen über das Thema „Stadtgrün – Chancen für die Zukunft“.

In der lebhaften Diskussion herrschte überwiegend Konsens, dass bei Neubauprojekten zu wenig Fantasie in Richtung Fassaden- und Dachbegrünung gefordert würde. Oft sähe das Umfeld fertiger Bauten auch lange nicht mehr so grün aus wie auf den ursprünglichen Entwürfen. Bei der Diskussion um Bäume an Straßen würden vorwiegend zu kurzsichtig deren Kosten betrachtet und nicht die vielfältigen positiven Effekte. „Stadtgrün ist ein wichtiges und vielschichtiges Thema, über das wir sicher noch öfter sprechen werden,“ schloss Thomas Goldschmidt vom Stadtmarketing die Diskussion und freute sich über die rege Teilnahme.